Maria betreibt seit über 50 Jahren ein Kafenion in Koumeika.

Vom Meer ist das Dorf Koumeika im Südwesten der Insel Samos nicht einsehbar. Viele der älteren Siedlungen aus dem 16. Jahrhundert hat man so angesiedelt, dass sie für Kosaren und Seeräuber nicht einsichtig waren. Auch die terrassierten Olivenhaine wurden damals zur Seeseite mit unverdächtigem Bewuchs vor fremden Augen geschützt. "Bloß nicht auffallen und in Frieden leben." Diesen Satz hatte Maria Sofianou noch von ihrer Urgroßmutter gehört.

 

Die Piraten gehören längst der Vergangenheit an und in Koumeika braucht sich heute keiner mehr zu verstecken – es sei denn vor den aufgestachelten Beamten des maroden griechischen Finanzwesens, die aus Furcht vor einflussreichen Millionären ihre Schikanen ersatzweise an hilflosen Kleinstunternehmer auslassen.

 

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Glücklicherweise blieb Maria Sofianou von solchen Willkür-Attacken verschont. Maria betreibt seit über 50 Jahren ein Kafenion auf der idyllischen Platia vom Koumeika. Als ihr Mann vor Jahren starb, wollte sie zunächst aufgeben. Die vielen Erinnerungen an die Jahrzehnte in der gemeinsamen Institution schmerzten. Aber das Dorf und die Nachbarn brauchten diese vertraute Einrichtung als erweiterten Lebensmittelpunkt. Natürlich gab und gibt es noch andere Kafenien – aber nur eine Maria. Sie machte weiter und hat es nicht bereut. Das Leben in Koumeika hat sich verändert. Viele junge Leute sind abgewandert, um ihr Glück in Athen oder im Ausland zu suchen. Auch wenn sie in den Sommerferien zurückkommen, ist das nicht dasselbe.

 

Maria lächelt. Vieles hat sich verändert. Heute hat sie neue Nachbarn. Nordeuropäer mit unaussprechlichen Namen, aber freundlichem Wesen. "Sehr hilfsbereite und ruhige Leute!", betont Maria. Sie haben alte Häuser gekauft und liebevoll restauriert. Diese neuen Nachbarn sind nun ihre neuen Stammgäste – und mittlerweile auch ihre erweiterte Familie. Koumeika braucht sich nicht zu verstecken. Koumeika hat neue Freunde!